DIE FEDER IST MÄCHTIGER ALS DAS SCHWERT.

Edward Bulwer-Lytton

 

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Demokratie! Wof├╝r wir k├Ąmpfen
Wof├╝r wir k├Ąmpfen

von Hardt, Michael /Negri, Antonio
Übersetzt von J├╝rgen Neubauer
127 Seiten; 205 mm x 133 mm
2013 Campus
ISBN 978-3-593-39825-9
Sofort verf├╝gbar oder abholbereit
lagernd, Filiale Wiedner Hauptstr. 13


Preis: 13.30 EUR (inkl.USt.) 
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Kurztext / Annotation
Finanz- und Umweltkrisen haben gezeigt: Die Welt braucht eine neue politische Ordnung. In ihrer Streitschrift entwerfen Michael Hardt und Antonio Negri den Weg dorthin. Inspiriert von den weltweiten Protestbewegungen beschreiben sie das Projekt einer Demokratie von unten: Wenn wir uns den Schulden verweigern, aus der ├ťberwachung befreien, neue Netze politischer Information schaffen und die entleerte repr├Ąsentative Demokratie durch lebendige Formen der Beteiligung ersetzen, k├Ânnen wir eine neue Verfassung begr├╝nden. Eine, in der Wasser, Banken, Bildung und andere Ressourcen ┬╗commons┬ź, Gemeing├╝ter sind. Auf diesem Weg k├Ânnen wir die Folgen der Finanzkrise, die dr├Ąngenden Umweltprobleme und die wachsende soziale Ungleichheit ├╝berwinden.

Inhaltsverzeichnis
Inhalt

Einleitung: Gebt die Fackel weiter 7
Kapitel 1: Politisches Handeln in der Krise 15
Die Verschuldeten 16
Die Vernetzten 20
Die Verwahrten 25
Die Vertretenen 32

Kapitel 2: Rebellion gegen die Krise 39
Verweigert die Schulden! 41
Schafft neue Wahrheiten! 45
Befreit Euch! 49
Verfasst Euch! 53

Kapitel 3: Eine Verfassung f├╝r das Gemeinsame 57
Grundsatzerkl├Ąrung 57
Der Kampf um eine Verfassung 60
Zeit der Revolte 62
Gegengewalten 65
Kommunikation 69
Die Rolle der Minderheiten 71
Eine plurale Politik 74
Entscheidungen 77
Verfassungsbeispiele 79
Wasser 79
Banken 83
Bildung 86
Vom Staatsbesitz zum Gemeingut 89
Progressive Regierungen und soziale Bewegungen
in Lateinamerika 92
Eine Agenda f├╝r eine neue Gewaltenteilung 95
Legislative 100
Exekutive 105
Judikative 109

Was folgt: Die Ankunft des Gemeinen 113

Literatur 121
Dank 127


Biografische Anmerkung zu den Verfassern
Michael Hardt ist Professor f├╝r Literaturwissenschaft an der Duke University Durham, N.C., in den USA.
Antonio Negri lehrte nach seiner Flucht 1983 aus Italien politische Theorie an der Universit├Ąt Paris VIII, Saint-Denis. 1997 kehrte er nach Italien zur├╝ck und wurde erneut inhaftiert bis Herbst 2003. Er lebt heute als freier Autor in Venedig und Paris.
Mit ihrem Bestseller "Empire. Die neue Weltordnung" (2000, dt. 2002) wurden Michael Hardt und Antonio Negri weltweit bekannt.

Textauszug
Die Vernetzten


Fr├╝her schien politisches Handeln oft erschwert zu werden, weil die Menschen keinen ausreichenden Zugang zu Informationen hatten und ihre Meinungen nicht verbreiten konnten. Auch heute versuchen repressive Regierungen, den Zugang zum Internet einzuschr├Ąnken, Blogs und Facebook-Seiten zu sperren, Journalisten mundtot zu machen und den Zugang zu Information auf jede erdenkliche Art zu behindern. Der Kampf gegen diese Form der Unterdr├╝ckung ist nat├╝rlich wichtig, und wir haben immer wieder erlebt, wie diese Barrieren schlie├člich niedergerissen werden und sich die Medien nicht zum Schweigen bringen lassen.


Uns geht es jedoch hier um das entgegengesetzte Ph├Ąnomen: um die Vernetzten, die unter einem Zuviel an Information, Kommunikation und Meinungs├Ąu├čerung ersticken. ┬╗Die Schwierigkeit ist heute nicht mehr, dass wir unsere Meinung nicht frei ├Ąu├čern k├Ânnen┬ź, erkl├Ąrt Gilles Deleuze, ┬╗sondern, Freir├Ąume der Einsamkeit und des Schweigens zu schaffen, in denen wir etwas zu sagen finden. Repressive Kr├Ąfte hindern uns nicht mehr an der Meinungs├Ąu├čerung, im Gegenteil, sie zwingen uns sogar dazu. Welche Befreiung ist es, einmal nichts sagen zu m├╝ssen und schweigen zu k├Ânnen, denn nur dann haben wir die M├Âglichkeit, etwas zunehmend Seltenes zu schaffen: Etwas, das es tats├Ąchlich wert ist, gesagt zu werden.┬ź


In diesem Fall ist Zuviel nicht das Gegenteil von Zuwenig, denn es handelt sich nicht um ein quantitatives Problem. Deleuze erinnert uns an das politische Paradox, das schon ├ëtienne de La Bo├ętie und Baruch Spinoza beschrieben haben: Manchmal sehnen sich Menschen nach ihrer Knechtschaft, als handele es sich um ihre Erl├Âsung. K├Ânnte es sein, dass wir mit unserer freien Meinungs├Ąu├čerung und Kommunikation, unserem ununterbrochenen Bloggen, Twittern und Surfen die repressiven Kr├Ąfte eher noch unterst├╝tzen, statt uns ihnen zu widersetzen? Wie Deleuze sagt, ben├Âtigen wir zum Denken oft das Schweigen. Im Grunde ist das gar kein Widerspruch: Deleuze geht es nicht um das Schweigen an sich, sondern darum, etwas zu sagen zu haben. Politisches Handeln und Befreiung sind also keine Fragen der Quantit├Ąt von Information, Meinungs├Ąu├čerung und Kommunikation, sondern ihrer Qualit├Ąt.


Die Bedeutung von Information und Kommunikation in Unterdr├╝ckungsapparaten (oder emanzipatorischen Projekten) wird noch durch die Tatsache unterstrichen, dass Arbeit und Wirtschaft selbst immer st├Ąrker vernetzt sind. In den verschiedensten Formen der Produktion haben Medien und Kommunikationstechnologien eine immer zentralere Rolle eingenommen und sind entscheidend f├╝r die Kooperation, wie sie die biopolitische Produktion verlangt. Gerade in den reichen L├Ąndern scheinen Kommunikation und soziale Medien viele Menschen einerseits von ihren Arbeiten zu befreien und sie andererseits an sie zu fesseln. Mit Smartphone und WLAN k├Ânnen wir ├╝berall arbeiten, aber das bedeutet nat├╝rlich, dass wir inzwischen auf Schritt und Tritt arbeiten. Die Vernetzung ist mit daran schuld, wenn heute die Grenzen zwischen Arbeit und Leben zunehmend verschwinden.


Diese Arbeitenden sind weniger entfremdet als vielmehr vernetzt. W├Ąhrend das Bewusstsein der entfremdeten Arbeiter gespalten ist, wird das Bewusstsein der vernetzten Arbeiter vom Netz verschluckt. Das Bewusstsein der Vernetzten ist also nicht gespalten, sondern zerbrochen und zerstreut. Die Medien verdammen uns nicht mehr zu Passivit├Ąt, im Gegenteil, sie fordern uns fortw├Ąhrend auf, teilzunehmen, W├╝nsche und Meinungen zu ├Ąu├čern und unser Leben zu erz├Ąhlen. Die Medien sind ausgesprochen sensibel f├╝r unsere Vorlieben und Abneigungen, und im Gegenzug schenken wir ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Die Vernetzten sind daher paradoxerweise weder aktiv noch passiv, ihre Aufmerksamkeit wird nur konstant gefesselt.








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